HEROES - gegen Unterdrückung in Namen der Ehre - Ein Projekt für Gleichberechtigung von Strohhalm e.V.
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Konzept

Gesellschaftskontext

In der Migrationssituation herrscht vielfach Angst vor dem eigenen Kulturverlust. Traditionelle Denk- und Verhaltensmuster, die in den Herkunftsländern teilweise im Wandel sind, verstärken sich oft. Gerade Jugendliche mit Migrationshintergrund stehen zwischen zwei Welten und müssen gegensätzliche Erwartungen erfüllen. Sie befinden sich zwischen den traditionellen Werten der Eltern- und Großelterngeneration bzw. der Herkunftsgesellschaft und den Werten und Anforderungen der Mehrheitsgesellschaft, in der sie leben. Dies konfrontiert sie mit Widersprüchen, die es ihnen schwer machen sich mit Erfahrungen wie Ausgrenzung oder Arbeitslosigkeit erfolgreich und ohne Aggressionen auseinander zu setzen. Zugleich durchleben sie die Phase der Partnerwahl und versuchen ihre Rolle als Frau oder Mann „richtig“ zu erfüllen.

Patriarchale Strukturen und Vorstellungen von Ehre, die durch die Erziehung, Community oder Clique   weitergegeben werden, haben in diesem Zusammenhang eine hohe Bedeutung. Sie erschweren sowohl männlichen als auch weiblichen Jugendlichen eine freie Entwicklung ihrer Persönlichkeit und lassen alternative Lebensentwürfe unmöglich erscheinen. In solch stark patriarchalischen Strukturen kann es häufiger passieren, dass Mädchen und Frauen durch Kontrolle, Unterordnung oder auch Zwangsverheiratung in benachteiligte Positionen gedrängt,  aber auch die Jungen und Männer stehen unter enormem Druck. Als Söhne und Brüder tragen sie einen Großteil der Last auf ihren Schultern. Sie sind diejenigen, die traditionell verpflichtet sind, die Ehrvorschriften durchzusetzen. So sind auch sie diejenigen, die in der Regel beteiligt sind, wenn im Extremfall die Familienehre durch eine Gewalttat erhalten werden soll.

 

Motivation

Viele Jungen aus Ehrenkulturen haben neben ihren Pflichten auch Privilegien und - eher als ihre Schwestern - die Möglichkeit, ungleiche Machtkonstellation zwischen Frauen und Männern zu verändern. Als Brüder oder zukünftige Väter haben sie eine entscheidende Position.

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Viele Jungen aus Ehrenkulturen haben neben ihren Pflichten auch Privilegien und - eher als ihre Schwestern - die Möglichkeit, ungleiche Machtkonstellation zwischen Frauen und Männern zu verändern. Als Brüder oder zukünftige Väter haben sie eine entscheidende Position.

Aber auch Jungen selbst sind häufig von Unterdrückung im Namen der Ehre betroffen, vor allem, wenn sie unfreiwillig Kontrolle und Härte ausüben müssen, mit der Partnerin ihrer Wahl nicht zusammen sein dürfen oder sogar selber in eine ungewollte Ehe gezwungen werden. Stattdessen bekommen sie eine Ehre geboten, die vielleicht nicht immer ihrer eigenen Vorstellung entspricht.

Gleichzeitig leiden sie unter dem öffentlichen Bild des machohaften, gewalttätigen Migranten. Sie sehen sich Vorurteilen ausgesetzt und fühlen sich in den Medien oft nur einseitig und meist als kriminell, aggressiv oder ungebildet dargestellt.

Während Jungenarbeit häufig erst einsetzt, wenn Jungs auffällig oder gar gewalttätig geworden sind, arbeitet HEROES mit jungen Männern aus Ehrenkulturen, die sich aktiv für das gleichberechtigte Zusammenleben von Männern und Frauen einsetzen wollen. Sie wollen allen voran als Vorbilder wahrgenommen werden die keineswegs Ausnahmen sind.

Die HEROES sind davon überzeugt, dass eine erfolgreiche Arbeit für die Gleichberechtigung auch die Männer einbeziehen muss. Ohne einen Entwicklungsprozess, der die Männer einschließt und ihnen die Möglichkeit gibt, traditionelle Geschlechterrollen in Frage zu stellen, gibt es keine Chance auf eine nachhaltige gesellschaftliche Veränderung. Das Ziel ist eine Gesellschaft, in der alle Frauen und Männer gleiche Rechte und gleiche Möglichkeiten haben.

 

Trainings

Als ersten Schritt bietet HEROES Gruppentreffen für junge Männer aus Ehrenkulturen an, die über Themen wie Gleichberechtigung, Ehre und Menschenrechte diskutieren und in ihrem Alltag und in der Gesellschaft etwas verändern wollen.

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Als ersten Schritt bietet HEROES Gruppentreffen für junge Männer aus Ehrenkulturen an, die über Themen wie Gleichberechtigung, Ehre und Menschenrechte diskutieren und in ihrem Alltag und in der Gesellschaft etwas verändern wollen. Wenn die jungen Männer mit den/der Gruppenleitern/in diskutieren, geht es auch um Alltagsthemen wie Integration, Schule, Familie und Freundinnen. Die Gruppenleiter/in haben türkischen und arabischen Migrationshintergrund, sie verfügen dadurch über einen ähnlichen Erfahrungshorizont und sind für die Jungs Vorbilder und Leiter/in zugleich.

Im Fokus der Trainings steht die Problematisierung der Männerrolle im Kontext der Ehrenunterdrückung von Mädchen und Frauen. Ziel ist es, den Jungen Raum zu geben, patriarchale Machtstrukturen differenziert und kritisch zu betrachten. Im Laufe des Trainings überwinden sie gewisse Grenzen der Ehrkultur und erlangen durch kreative und pädagogische Methoden mehr Sicherheit darin, Stellung zu beziehen: gegen die Unterdrückung im Namen der Ehre und für das Recht der Mädchen/Frauen auf Menschenrechte und Gleichberechtigung.

Zu speziellen Themeninhalten werden Experten/innen eingeladen und gemeinsam Veranstaltungen besucht wie Theater, Kino oder Ausstellungen. Als Ausgleich zu den manchmal schwierigen und emotionalen Diskussionen werden den Jungen auch abwechslungsreiche Freizeitaktivitäten angeboten: Essen gehen, Playstation-Abende oder Fußball sind beispielsweise ebenso ein wichtiger Bestandteil des Trainings.

Der Trainingsprozess kann bis zu einem Jahr dauern. In einer späteren Phase des Trainings entwickeln die Jungen auf einer HEROES-Reise ihre eigenen Rollenspiele für den Workshop. Schließlich bekommen sie das HEROES-Zertifikat verliehen. Auf der feierlichen Anerkennungsveranstaltung mit Familie und Gästen werden die HEROES von prominenten Persönlichkeiten wie Staatsministerin und Beauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration Prof. Dr. Maria Böhmer oder Cem Özdemir, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen auf der Bühne geehrt.

Als qualifizierte HEROES können sie nun andere Jugendliche motivieren, sich mit tradierten Geschlechterrollen auf der Basis von Menschenrechten kritisch auseinanderzusetzen. Auch nach ihrem Grundlagentraining finden für die HEROES kontinuierlich Trainings statt.

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Workshops

Die HEROES geben in Schulen, Ausbildungsstätten oder Jugendtreffs Workshops für Mädchen und Jungen. In der Regel führen ihn zwei der HEROES durch, ein/e Gruppenleiter/in begleite sie zur Unterstützung.

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Die HEROES geben in Schulen, Ausbildungsstätten oder Jugendtreffs Workshops für Mädchen und Jungen. In der Regel führen ihn zwei der HEROES durch, ein/e Gruppenleiter/in begleite sie zur Unterstützung.  Mit dem Workshop als interaktive Erfahrung sollen Jugendliche dazu animiert werden sich offen mit dem zentralen Thema der Ehre und der darauf begründeten Unterdrückung auseinanderzusetzen.

Dem Workshop liegt der Gedanke der Peer Education zu Grunde.  Die HEROES kennen die Kulturen, Konflikte, Zwänge und Träume der meist gleichaltrigen Jugendlichen - denn sie sind auch ihre eigenen - und begegnen ihnen somit auf Augenhöhe. Gerade bei schwierigen Themen nehmen Jugendliche am ehesten alternative Perspektiven von anderen Jugendlichen an, vor allem wenn sie sich in ihren Emotionen und sozialen Kontexten verstanden fühlen.

Vor allem jedoch nutzen die HEROES das Rollenspiel für den Workshop, das die emotionale und effektive Auseinandersetzung begünstigt. Konfliktsituationen werden nicht nur anschaulich dargestellt, sondern durch Interaktion mit den Jugendlichen weiterentwickelt. Harte Jungen können sich auf diese Weise manchmal in die Mädchenrolle einfühlen und über den sozialen Druck - dem sie zum Teil selbst als Jungen ausgesetzt sind - sowie ihre Eindrücke sprechen oder gar Szenen wunschgemäß umstellen. Hierbei spielen die Teilnehmer/innen im Workshop erarbeitete und vorgeschlagene Lösungsansätze zum Teil selbst durch. Durch diese Methode wird die Thematik und der Handlungsspielraum optimal verinnerlicht.

In der Diskussion werden die Jugendlichen aktiv mit einbezogen. Sie bestimmen die Dynamik und werden ermutigt Fragen zu stellen und zum Teil selbst zu beantworten. Hier werden Konventionen und Traditionen hinterfragt und neue Perspektiven gemeinsam entwickelt.

Zur kontinuierlichen Verbesserung und Differenzierung des Workshops werden im Anschluss an die Veranstaltung Feed-Back-Fragebögen ausgeteilt, in denen die Teilnehmer/innen den Ablauf bewerten. In den letzten Jahren haben wir tausende Jugendliche durch unseren Workshop erreicht.

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Anerkennung

HEROES leisten wichtige Vorbildarbeit. Die Würdigung durch die Mehrheitsgesellschaft ist trotz aller Ausgrenzungserfahrungen zentral für die Jungen.

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HEROES leisten wichtige Vorbildarbeit.

Die Würdigung durch die Mehrheitsgesellschaft ist trotz aller Ausgrenzungserfahrungen zentral für die Jungen. Und gerade für ein Thema, für das sie in ihrer Community noch schwer Anerkennung erfahren, brauchen sie die Unterstützung der Politik und Öffentlichkeit.

Dadurch werden auch die zwei Seiten der Verantwortung für Integration deutlich: Die HEROES arbeiten für Themen und Werte, die für ein Zusammenleben in einer demokratischen Gesellschaft unverzichtbar sind. Dafür haben sie Interesse und Unterstützung verdient. Es geht letztlich darum, sie zum Weitermachen zu motivieren und deutlich zu machen, dass sie auf ihren neuen Wegen nicht alleine sind.

Die Anerkennungsfeier ist die erste Erfahrung der Aufmerksamkeit und Würdigung ihrer Arbeit durch prominente Ehrengäste wie Königin Sylvia von Schweden, Integrationsministerin Prof. Dr. Maria Böhmer, Prinz Georg Friedrich von Preußen und Grünen Parteichef Cem Özdemir, aber auch die ihrer eigenen Familien und Freunde ist ausschlaggebend.

Hinzu kommen regelmäßige Medienanfragen. Mit Hilfe der Medienauftritte, ist den meisten HEROES wichtig auszudrücken, dass sie eines von vielen Positivbeispielen von Jungen mit Migrationshintergrund sind, die eben keine Minderheiten in der Mehrheitsgesellschaft darstellen sondern wegen einseitigen Berichterstattungen oft übersehen werden.

Genau diese Form von Anerkennung ist wichtig um sich in der Mehrheitsgesellschaft angekommen zu fühlen und somit auch viele andere Jungen und Mädchen aus Ehrenkulturen Mut zu machen, Stellung gegen Unterdrückung im Namen der Ehre zu beziehen.

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Mädchenarbeit

HEROES ist ein vordergründiges Männerprojekt, jedoch besteht ein Teil der Projektaktivitäten auch aus intensiver Mädchenarbeit. Hierzu finden in Abständen Mädchentreffen mit der weiblichen Gruppen- und Projektleitung statt, in denen speziell Themen besprochen werden, die den Teilnehmerinnen am Herzen liegen.

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HEROES ist ein vordergründiges Männerprojekt, jedoch besteht ein Teil der Projektaktivitäten auch aus intensiver Mädchenarbeit. Hierzu finden in Abständen Mädchentreffen mit der weiblichen Gruppen- und Projektleitung statt, in denen speziell Themen besprochen werden, die den Teilnehmerinnen am Herzen liegen. Meist wird über dieselben Themen wie in den Trainings der Jungen gesprochen, z.B. über Kleidung, Ehre, Geschlechterrollen oder Zukunftsvorstellungen, um die weibliche Sicht der Dinge zu betrachten. Hauptsächlich geht es darum, von den Mädchen neue Impulse und Gedanken zu beziehen und diese in die Arbeit mit den Jungs einfließen zu lassen. Schließlich möchten die HEROES auf die Stellung der Frau aufmerksam machen und so entstand manch Rollenspielszene, die auf den Wünschen und Ideen der Mädchengruppe basieren.

Bei Interesse Kontakt mit Eldem Turan | Gruppenleiterin [kontakt]

 

Projektbeirat

Der Austausch mit engagierten Fachleuten und Personen aus der Migranten-Community ist uns wichtig.

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Der Austausch mit engagierten Fachleuten und Personen aus der Migranten-Community ist uns wichtig. Deshalb gibt es zur Überprüfung, Verbesserung und Verbreitung von HEROES einen Projektbeirat, der sich vierteljährlich trifft.

Der Projektbeirat besteht aus folgenden Personen, denen wir unseren Dank für ihre ehrenamtliche Unterstützung ausdrücken möchten:

  • Amrei Sander - stellvertretende zentrale Frauenbeauftragte der Humboldt-Universität Berlin
  • Ayten Köse - Diakonie, Neukölln
  • Berna Ceylan - Atmaca - Axel Springer AG
  • Birim T. - Papatya (anonyme Krisen- und Übergangseinrichtung für Mädchen und junge Frauen mit Migrationshintergrund)
  • Dagmar Riedel-Breidenstein - Gründerin von HEROES®
  • Rabbiner Daniel Alter - Beauftragter der jüdischen Gemeinde für interreligiösen Dialog
  • Dorothea Zimmermann - Mädchennotdienst von Wildwasser e.V.
  • Frauke Homann - ehem. Schulstation Kiez-Schule, Kreuzberg
  • Gabi Heinemann - Leiterin von MaDonna Mädchenkult.Ur e.V.
  • Giovanna und Murat - Türkiyemspor Berlin e.V.
  • Jen O'Haghan - European Foundation for Democraty
  • Heike Radvan - Amadeu Antonio Stiftung
  • Idil Baydar - Comedian Gilet Ayse
  • Jasmin Eding - Adefra e.V.
  • Jörg Steinert - Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg e.V.
  • Norma Ehlers - Quartiersmanagement Rollberg
  • Oliver Knecht - Leiter des Dezernats Sexualdelikte beim Landeskriminalamt
  • Petra Koch-Knöbel - Gleichstellungsbeauftragte von Kreuzberg
  • Myria Böhmecke - Referentin zum Thema Gewalt im Namen der Ehre bei Terre des Femmes. Menschenrechte für die Frau e.V.
  • Monika Michell - Referentin zum Thema Gewalt im Namen der Ehre bei Terre des Femmes. Menschenrechte für die Frau e.V.
  • Roberta Bonazzi - European Foundation for Democraty
  • Seyran Ates - Autorin und Rechstanwältin
  • Sigrid Richter-Unger - Leiterin der Beratungsstelle Kind im Zentrum (KiZ)
  • Sylvia Edler - Gleichstellungsbeauftragte von Neukölln
  • Tiziana Losito-Bundschuh - losito kressmann-zschach foundation
  • Thomas Schlingmann - Tauwetter e.V.
  • Zanada Russell - ehem. Praktikantin bei Strohalm e. V.
  • Prof. Dr. Barbara Kavemann - Sozialwissenschaftliches Frauenforschungsinstitut Freiburg

 

 

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