HEROES - gegen Unterdrückung in Namen der Ehre - Ein Projekt für Gleichberechtigung von Strohhalm e.V.
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Konzept

Konzept

Gesellschaftskontext

Heranwachsende mit familiärer Migrationsgeschichte werden häufig durch ihr Umfeld mit unterschiedlichen, mitunter widersprüchlichen, Erwartungen konfrontiert. Sie werden sowohl vom soziokulturellen Hintergrund ihrer (Groß-)Eltern, bei denen vielfach Angst vor Kulturverlust herrscht als auch den Werten und Anforderungen der deutschen Gesellschaft beeinflusst. Dies konfrontiert sie mit Widersprüchen, die die Identitätsentwicklung erschweren. Viele männliche Heranwachsende mit familiärer Migrationsgeschichte leiden zudem unter dem öffentlichen Bild des machohaften, gewalttätigen Migranten. Dieser zwiespältige Status macht junge Männer aus ehrkulturellen Milieus zu einer vielversprechenden Zielgruppe. Patriarchale Strukturen und Vorstellungen von Ehre, die vor allem durch Erziehung weitergegeben werden, haben in diesem Zusammenhang eine hohe Bedeutung. Sie hindern Jugendliche aller Geschlechter an der freien Entwicklung ihrer Persönlichkeit und schränken die möglichen Lebensentwürfe ein. Sie sind nicht frei in der Entwicklung ihrer Sexualität und der Wahl ihrer Partner_innen und finden kaum Raum, sich über ihre Erfahrungen und Gefühle auszutauschen. Mädchen und Frauen werden oft in schwache Positionen gedrängt und in ihrer Selbstbestimmung stark eingeschränkt. Jungen jedoch geraten ebenso unter empfindlichen Druck, da sie häufig starre Bilder von Männlichkeit repräsentieren müssen. Darüber hinaus schränkt ihre Kontrollaufgabe sie ein. Als Söhne und Brüder tragen sie große Verantwortung. Sie sind meist diejenigen, die traditionell verpflichtet sind, die Ehrvorschriften durchzusetzen und im Extremfall die Familienehre durch eine Gewalttat wiederherzustellen.

Übergeordnetes Ziel von HEROES® ist es, Jugendlichen aller Geschlechter, (insbesondere) aus ehrkulturellen Milieus, Freiräume zu schaffen, in denen sie mithilfe intensiver pädagogischer Begleitung durch die Entwicklung eigener Werte und Haltungen in ihrer Persönlichkeits- und Identitätsbildung unterstützt werden. Jugendliche können bei HEROES® erfahren und lernen, dass es möglich ist einschränkende, ausgrenzende und gewalttätige Aspekte jeder Kultur zu reflektieren und abzulehnen, ohne Furcht vor dem Verlust der Herkunftskultur und ohne zwischen widersprüchlichen Anforderungen zerrieben zu werden. Darüber hinaus fördert die intensive Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Wertensystemen und (Macht-)Strukturen vielfältige Kompetenzen, die für eine aktive Teilnahme an demokratischen Prozessen unabdingbar sind und dazu beitragen, ein gleichberechtigtes gesellschaftliches Miteinander unabhängig von Geschlecht, kulturellem Hintergrund, religiöser Zugehörigkeit oder sexueller Orientierung zu ermöglichen.

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Gewaltpräventives Gruppentraining für Jungen

Kern der pädagogischen Trainingsarbeit sind wöchentliche Gruppentreffen, in denen Themen wie Ehre, patriarchale Strukturen, Menschenrechte, Gleichberechtigung, Geschlechterrollen, Sexualität, Identität, Gewalt, Politik, Diskriminierung etc. bearbeitet werden. Zu speziellen Inhalten werden Experten_innen eingeladen und thematische Veranstaltungen besucht. Neben dem Erwerb von Fachwissen werden die Teilnehmer in ihrer Wahrnehmung und Empathie sensibilisiert, in ihren Haltungen gestärkt und es wird ihnen Raum für den Austausch von persönlichen Erfahrungen und Sichtweisen miteinander geboten. Im Fokus steht dabei die Problematisierung der Männerrolle im Kontext der Unterdrückung von Mädchen und Frauen. Ziel ist es, Jungen und jungen Männern die Möglichkeit zu geben, sich von diesen Machtstrukturen zu distanzieren. Im Laufe des Trainings erlangen sie die Stärke und Fähigkeit, Grenzen, die die Ehrkultur auch für sie setzt, zu überwinden. Die Gruppenleiter_innen haben einen ähnlichen Erfahrungshorizont und soziokulturellen Hintergrund wie die Zielgruppe und stellen somit eine Art „großer Bruder/große Schwester" dar, die als Vorbilder dabei unterstützen können, sich von tradierten Rollenvorstellungen zu lösen.

Am Ende des etwa einjährigen Trainingsprozesses bekommen die jungen Männer das HEROES®-Zertifikat verliehen. Als qualifizierte HEROES können sie nun in rollenspielbasierten Workshops andere Jugendliche in Schulklassen oder Jugendfreizeiteinrichtungen dazu motivieren, sich mit tradierten Geschlechterrollenbildern kritisch auseinanderzusetzen.

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Auch nach ihrem Grundlagentraining finden für die Heroes kontinuierlich Trainings statt.

Workshops

Die Heroes leiten unterstützt durch eine_n Gruppenleiter_in in Schulen, Ausbildungsstätten oder Jugendtreffs rollenspielbasierte Workshops für geschlechtergemischte Jugendgruppen.

Dem Workshop liegt der Gedanke der Peer Education zu Grunde. Die Heroes kennen die Konflikte, Zwänge und Träume der Jugendlichen und begegnen ihnen somit auf Augenhöhe. Gerade bei schwierigen Themen nehmen Jugendliche alternative Perspektiven leichter von Gleichaltrigen an, vor allem wenn sie sich in ihren Emotionen und sozialen Kontexten verstanden fühlen. Mit dem Workshop als interaktive Erfahrung sollen Jugendliche dazu animiert werden sich offen mit dem zentralen Thema der Ehre und der darauf begründeten Unterdrückung auseinanderzusetzen. In den Workshops kommen Jugendliche aller Geschlechter, mit und ohne familiärer Migrationsgeschichte gemeinsam ins Gespräch und haben so die Möglichkeit zu Perspektivwechseln und einem gemeinsamen, durch die Heroes angeleiteten, Wertediskurs.

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Anerkennung

Heroes leisten wichtige Vorbildarbeit. Die Würdigung durch die Mehrheitsgesellschaft ist trotz aller Ausgrenzungserfahrungen zentral für die Jungen. Die Heroes engagieren sich für Themen und Werte, die für ein Zusammenleben in einer demokratischen Gesellschaft unverzichtbar sind. Dafür haben sie Interesse und Unterstützung verdient, nicht zuletzt um deutlich zu machen, dass sie auf ihren neuen Wegen nicht alleine sind.

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Die Anerkennungsfeier ist die erste Erfahrung der öffentlichen Aufmerksamkeit und Würdigung ihrer Arbeit durch prominente Ehrengäste sowie ihrer Familien und Freunde.

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Hinzu kommen Medienauftritte, im Rahmen derer die Heroes ihr Engagement für eine geschlechtergerechtere Gesamtgesellschaft einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen.

Mädchenarbeit

HEROES® ist ein Projekt, das ausschließlich Jungen zu Heroes ausbildet, jedoch besteht ein Teil der Projektaktivitäten auch aus intensiver Mädchenarbeit. Hierzu finden in Abständen Mädchentreffen mit der weiblichen Gruppen- und Projektleitung statt, in denen speziell Themen besprochen werden, die den Teilnehmerinnen am Herzen liegen.

Bei Interesse Kontakt mit Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Projektbeirat

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Der Austausch mit engagierten Fachleuten und Personen aus der migrantischen Community ist uns wichtig. Deshalb gibt es zur einen Projektbeirat, welcher aus folgenden Personen besteht, denen wir unseren Dank für ihre ehrenamtliche Unterstützung ausdrücken möchten:

  • Amrei Sander - stellvertretende zentrale Frauenbeauftragte der Humboldt-Universität Berlin
  • Ayten Köse - Diakonie, Neukölln
  • Prof. Dr. Barbara Kavemann - Sozialwissenschaftliches Frauenforschungsinstitut Freiburg
  • Berna Ceylan - Atmaca - Axel Springer AG
  • Birim T. - Papatya (anonyme Krisen- und Übergangseinrichtung für Mädchen und junge Frauen mit Migrationshintergrund)
  • Dagmar Riedel-Breidenstein - Gründerin von HEROES®
  • Rabbiner Daniel Alter - Beauftragter der jüdischen Gemeinde für interreligiösen Dialog
  • Dorothea Zimmermann - Mädchennotdienst von Wildwasser e.V.
  • Frauke Homann - ehem. Schulstation Kiez-Schule, Kreuzberg
  • Gabi Heinemann - Leiterin von MaDonna Mädchenkult.Ur e.V.
  • Giovanna und Murat - Türkiyemspor Berlin e.V.
  • Jen O'Haghan - European Foundation for Democraty
  • Heike Radvan - Amadeu Antonio Stiftung
  • Idil Baydar - Comedian Gilet Ayse
  • Jasmin Eding - Adefra e.V.
  • Jörg Steinert - Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg e.V.
  • Myria Böhmecke - Referentin zum Thema Gewalt im Namen der Ehre bei Terre des Femmes. Menschenrechte für die Frau e.V.
  • Monika Michell - Referentin zum Thema Gewalt im Namen der Ehre bei Terre des Femmes. Menschenrechte für die Frau e.V.
  • Norma Ehlers - Quartiersmanagement Rollberg
  • Oliver Knecht - Leiter des Dezernats Sexualdelikte beim Landeskriminalamt
  • Petra Koch-Knöbel - Gleichstellungsbeauftragte von Kreuzberg
  • Roberta Bonazzi - European Foundation for Democraty
  • Seyran Ates - Autorin und Rechtsanwältin
  • Sigrid Richter-Unger - Leiterin der Beratungsstelle Kind im Zentrum (KiZ)
  • Sylvia Edler - Gleichstellungsbeauftragte von Neukölln
  • Tiziana Losito-Bundschuh - losito kressmann-zschach foundation
  • Thomas Schlingmann - Tauwetter e.V.
  • Zanada Russell -       Mitarbeiterin bei Strohhalm e. V.

Aktuell sind 22 Gäste und keine Mitglieder online

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